Man neigt ja immer dazu, auch mit künstlerischen Mitteln eine Botschaft zu verbinden. Da gibt es Literature engagée, die afrikanische Literaturbewegung negritude und Heinrich Böll. Auch Gemälde wie Picassos 'Guernica' tragen ganz sicher eine Botschaft.
Doch auch das Sinnfreie ist in der Kunst erlaubt und zuhause. Das fiel mir kürzlich auf, als ich durch Brensbach fuhr.
Es gibt einen Versandhandel, der sich selbst als "Die moderne Hausfrau" bezeichnet und der allerlei unglaublich nützliche Raddeldaddelchen im Angebot hat. Erstaunlicherweise hat noch kein Mann dieser Firma eine Abmahnung geschickt, weil ihr Name nicht "die moderne Hausfrau und der moderne Hausmann sowie moderne Hausdiverse" lautet. Aber ist das wirklich erstaunlich? Oder eher ganz natürlich?
Welcher Mann möchte schon mit Hausarbeit in Verbindung gebracht werden!
Manch einer fühlt sich schon als perfekte Hausfrau, wenn er die Kronkorken der Bierflaschen selbst zum gelben Sack trägt. Es besteht also eher keine Gefahr, daß "die moderne Hausfrau" mit einer Abmahnung rechnen muß.
Wie aber bringt man Männer dazu, echte Hausarbeit zu übernehmen? Man stelle einen Grill der Super-Hyper-Extraklasse mit allen Schikanen in den Garten, hänge eine adrette Schürze an die Ausgangstür, nachdem man "ihn" zum Valentinstag noch mit einem handgetöpferten Futteralköfferchen mit Grillbesteck beschenkt hat. Dann braucht frau nur noch zu warten, bis das beef auf dem Teller liegt. Neudeutsches Grillgut nach Männerart heißt nicht einfach Fleisch, sondern beef. Die Philosophie dahinter könnte für Frauen etwas schwer nachvollziehbar sein, vor allem ist für die beliebten aber leider vegetarischen Zucchini-Paprika-Zwiebel-Spießchen kein Platz auf der Grillmonstrosität.
Andere Idee: frau verpackt die männlicherseits zu erledigenden Aufgaben in eine - just im Moment erfundene - Trendsportart. Er will nicht die Straße kehren? Machen Sie "streetkehring" draus, und schon brummt er los. Richtig gehört: er brummt los. Denn ohne mindestens 6-PS-Zweitaktbesen fängt er nicht an. Auch "unkrautrupfing" könnte versehentlich als Trendsport durchgehen. Hauptsache, Sie stellen ihm aktuellste Technologie zur Verfügung, die möglichst viel Lärm verursacht. Die beiden Sportarten habe ich übrigens schon vor neun Jahren vorgestellt (bitte bis September 2012 nach unten scrollen), aber sie haben inzwischen tatsächlich durchschlagenden Erfolg als Megatrend - schauen Sie nur mal aus dem Fenster! Da rattert es, blockert es, poltert und kreischt es, es scheppert und dröhnt, und allerspätestens um 12 Uhr mittags haben die Männer der heimwerkenden Art ihr Ziel erreicht: es ist 16 Uhr - getreu dem Motto "kein Bier vor vier".
Aber seid nicht traurig, liebe Frauen: inzwischen wird die Medienlandschaft der Hochglanzmagazine durch das weibliche Pendant zu "Walden" bereichert. Während der trendsichere Holzhackertyp mit Hilfe von "Walden" in die freie Wochenend-Wildbahn ausschwärmt, kann frau es sich ungestört mit "Hygge" gemütlich machen! Tatsächlich! Hygge ist dänisch und bezeichnet deren Nationalsport. Hyggelig heißt auf deutsch gemütlich. Ach ist das herrlich: endlich wieder Stickvorlagen für Klorollenhütchen und Tipps, wie man seine Lieben (pardon: wie frau ihre Lieben) mit kleinen Aufmerksamkeiten überraschen kann, die nicht viel Zeit und Mühe kosten, aber wundervolle Effekte nach sich ziehen: die Kinder machen freiwillig Hausaufgaben, räumen ihre Zimmer auf und tragen den Müll runter. Und "er" geht schnurstracks nach draußen zum streetkehring und unkrautrupfing!
Ich hab es doch schon immer gewußt: ALLES WIRD GUT!
In diesem Sinne: genießen Sie alles, egal wie es kommt - Marieta Hiller, Februar 2021
ist Ihnen schon mal aufgefallen, daß wir stets respektvoll vom Landwirt reden, wenn es um die Agrarökonomen der Industrieländer geht, aber rustikal im Ethnostyle von Bauern, wenn es um die gleiche Berufsgruppe in Entwicklungsländern geht?
Wenn wir es schon so suuuupergenau nehmen mit unserer Sprache (und nicht etwa mit den Zuständen die diese Sprache zum Ausdruck bringt), dann dürfen wir nicht mehr Bauer zu einem Landwirt sagen, egal wo er wirtschaftet. Genau wie wir nicht mehr Neger zu PoC (People of Color) sagen dürfen, oder Zigeuner zu Angehörigen der Sinti und Roma.
Wenn Sie inzwischen nicht mehr wissen, WIE Sie politisch korrekt über etwas sprechen oder schreiben sollen, dann denken Sie immer daran, daß GAR NICHTS SAGEN noch viel schlimmer ist. Maul halten hat noch nie etwas besser gemacht... Marieta Hiller
Wir leben im Zeitalter der Information: bekommen wir wirklich Information - oder glauben wir es nur?
Früher war alles besser: logisch ist dann heute alles nicht mehr so gut und morgen gar schlechter! "Information": je mehr wir bekommen (gefragt und ungefragt) desto weniger können wir beurteilen ob sie Wahrheitsgehalt hat. Wer wollte die 100.000 Facebook-News auf objektiv feststellbaren Wahrheitsgehalt überprüfen, mit wissenschaftlich anerkannten Methoden? Wie leicht ist es heute, eine Lüge schnell und wirksam zu verbreiten!
Früher mußte dafür ein Traktat gedruckt werden, heute tippt jeder ins Handy was ihm gerade so als "wichtige Information" einfällt. Wie altmodisch dagegen: GEO beschäftigt eine ganze Verifikationsabteilung, also Leute die die Texte der Redakteure auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen bevor sie veröffentlicht werden!
Veränderungen sind schnell, Statistiken leider nicht immer. Aber mit Statistiken lassen sich plakative "Wahrheiten" veröffentlichen wie beispielsweise "Heute leben halb soviel Menschen in extremer Armut wie im Jahr 2000" oder "84 % aller Menschen halten sich selbst für glücklich, 45 % halten nur die anderen für glücklich". Genauer betrachtet, kann man mit solchen Aussagen leider wenig anfangen. Hinzu kommt, daß schlechte Nachrichten wesentlich öfter verbreitet werden als gute Neuigkeiten. Katastrophen, Verbrechen, Unglück ist medienwirksam. Während weltweit nach Aussage einer Statistik die Mehrzahl aller Menschen überzeugt ist, daß alles besser wird, glauben in Deutschland (einem Land, in dem auf hohem Niveau gejammert wird) nur 25% daß es der nächsten Generation besser gehen wird.
Wer aus dem Dunkeln ins Helle schaut, sieht das ganz anders. Um für alle 7,8 Milliarden Menschen ein Leben in Wohlstand, Bildung und Nachhaltigkeit zu schaffen, brauchen wir mehrere Erden - die haben wir aber nicht. Wir hier im Hellen verbrauchen die meisten Ressourcen für die im Dunkeln mit. Darüber sollte man sich klar sein bevor man jammert...
Sprache - und natürlich auch Schriftsprache - ist einem ständigen Wandel unterworfen. Manches regelt die Duden-Redaktion, für anderes kann ich wenig Verständnis aufbringen. Völlig in Ordnung ist es z.B. wenn ein Leser mir schreibt:
"Hallo Frau Hiller, beim Durchlesen der Artikel im Durchblick Nr. 304 ist mir aufgefallen, dass ! Sie, Frau Hiller, immer noch an der alten Rechtschreibung festhalten, wussten ! Sie das!? Bin zwar jetzt auch schon 62, aber wenn ich 'daß wußte muß' usw. lese, denke ich auch an die Kinder, die nach der 1996 reformierten Rechtschreibung gelernt haben, und dann dauernd ein 'ß' in den Texten finden, wo doch eigentlich ein 'ss' hingehört. Sollte nicht der komplette Durchblick in der 'richtigen' Rechtschreibung verfaßt / verfasst werden!? Mit freundlichen Grüßen E.S. Lautern".
Seit der Umstellung unserer Telefonanlage gibt es kein Fax mehr. Ihre Faxe an unsere Nummer 06254-9436294 kommen nicht mehr an. Bitte senden Sie immer eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..
Wenn heutzutage die Frage gestellt wird: "wie seid ihr eigentlich früher ohne Computer und Handy ins Internet gekommen?" fühlt man sich erstmal alt. Eigentlich ALT. Aber wie abhängig wir alle davon sind, daß die Infrastruktur funktioniert, zeigt diese Glosse, die ich 2015 geschrieben habe:
Donnerstag der 19. Februar 2015, 19.45 Uhr in Lautern.
Wir leben in einer Gesellschaft mit beschränkter Belastbarkeit. Inzwischen dauert Corona offenbar lange genug an, um das wahre Gesicht einiger Mitmenschen zu offenbaren.
Damit meine ich nicht einmal die Verschwörungstheoretiker, die glauben daß unsere Regierung Corona nur "erfunden" hat, um uns einschränken zu können. Wenn die Regierung das wollen würde, hätte sie dazu wesentlich praktischere Instrumente. Und wir würden es erst merken, wenn es zu spät ist.
Ich meine damit auch nicht die unerträglichen Randerscheinungen von Demonstrationen, die sich den Protest besorgter Bürger zu ihrer eigenen politischen Agitation zunutze machen.
Immer wieder hört man diesen Spruch bei Preisanfragen in den Einzelhandelsgeschäften vor Ort. Und immer mehr dieser Geschäfte mit ihrer großen Angebotstiefe schließen eines Tages für immer. Denn was nutzt es, wenn Miete, Heizung, Lagerhaltung (totes Kapital) und freundliche und kompetente Beratung nicht ausreichen, um den Kunden vor einem Internet-Schnäppchen zu bewahren. Noch gibt es etliche Einzelhandelsgeschäfte, die in ihrer jeweiligen Produktsparte ein Sortiment vorhalten, das kein Supermarkt jemals bieten kann. Es ist absolut möglich, den gesamten Bedarf an Einkäufen im Lautertal zu tätigen, ohne einmal über die Gemeindegrenzen hinausfahren zu müssen.