In der hessenschau vom 17.08.2026 gab es zwei Beiträge, die zur Sorge um unser soziales Miteinander Anlaß geben:
1. Hessen wirbt um indische Fachkräfte
Darin geht es um einen Besuch von Boris Rhein in Indien. Er möchte Menschen aus Indien dazu animieren, als Arbeitskräfte nach Deutschland zu kommen. Diesen geht es nicht um eine Fluchtmöglichkeit aus einem lebensbedrohlichen Regime wie den Geflüchteten aus Syrien, Irak, Iran oder den Ortshelfern in Afghanistan. Sondern um schöne Dinge wie Kindergeld.
Während die einen - oftmals trotz festem Arbeitsplatz und gut integriert - in aktuellen politischen Klima in Deutschland fürchten müssen, abgeschoben zu werden und so endlich doch noch einer korrupten Staatsmacht oder einem unerbittlichen Glaubenssystem zum Opfer fallen, möchte man die anderen gerne nach Deutschland locken. Und warum? "Indische Pflegekräfte sind sehr anpassungsfähig" (Gudrun Gopal, Indian Truecare) - mit "anpassungsfähig" ist vermutlich gemeint, daß diese Pflegekräfte nicht aufmucken, für Mindestlohn arbeiten und bereitwillig die im Pflegesektor üblichen Überstunden und Belastungen akzeptieren.
2. Private Kinderfußballschulen im Trend
Da erzählen - nein statuieren 8-10 jährige Jungs ihr Lebensziel, Profifußballer zu werden. Sie sprechen hier wie ausgewachsene Manager, nicht wie Kinder. Im Hessenschaubeitrag kommen auch die Eltern zu Wort, und das erklärt alles: diese Kinder sind Projekte, sie müssen funktionieren wie Maschinen.
Zwei Dinge daran wecken Befürchtungen: Man könnte diese Kindprojekte nicht in eine soziale Gemeinschaft integrieren, sie würden sich wie kleine Elon Musks benehmen. Zweitens: wenn alle kleinen Menschen mit Ehrgeiz und Ellbogen später mal Profifußballer werden, sind wir dann nicht zu einer Gesellschaft von Telefondesinfizierern* geworden?
Werden wir spätestens dann nicht nur sämtliche verfügbaren "anpassungsfähigen" Inderinnen und Inder brauchen, um die ganze Arbeit zu machen? Zumal dann ja alle "Migranten" (oftmals auch deutsche Staatsbürger mit "Migrationsoptik") aus unserem Stadtbild entfernt sein werden?
Marieta Hiller
* Telefondesinfizerer werden in der vierbändigen Trilogie Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams zusammen mit Filmproduzenten, Frisören, Unternehmensberatern und Versicherungsvertretern vom blühenden Planeten Golgafrincham zur niedrigschwelligen Erde deportiert, damit sie nicht weiterhin die Gesellschaft auf Golgafrincham stören. Dort blieben nach der Deportation zwei Klassen übrig: Klasse A waren die Wissenschaftler, geniale Führungspersönlichkeiten und bedeutende Künstler, Klasse C die Leute, die die ganze Arbeit machten.
