Pflanzenporträt: Die Nachtkerze - Oenothera biennis – ein verborgener Herbstschatz

Im Sommer leuchten ihre gelben Blüten am Abend, im Herbst verbirgt die Nachtkerze ihren Schatz unter der Erde: eine essbare Pfahlwurzel. Das fast vergessene Wurzelgemüse lässt sich jetzt wiederentdecken.


Name und alte Nutzung

Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Nachtkerze verdankt ihren Namen dem abendlichen Aufblühen. Ihre Wurzel wurde früher als Gemüse geschätzt und ist auch als „Schinkenwurzel“ bekannt.

So erkennst du die Nachtkerze

Im ersten Jahr bildet sie eine bodennahe Rosette aus länglichen Blättern mit auffälliger, heller Mittelrippe und leicht gezähntem bis gewelltem Rand. Im zweiten Jahr wächst ein hoher, beblätterter Stängel mit gelben, vierblättrigen Blüten und später länglichen Samenkapseln. Sie bevorzugt sonnige, offene Standorte. Rosetten können leicht verwechselt werden; also bitte nur sicher bestimmte Pflanzen verwenden.

Die Wurzeln im Herbst

Geerntet werden die Wurzeln junger Rosettenpflanzen, die bisher noch nicht geblüht haben. Also im Herbst des ersten Jahres oder im zeitigen Frühjahr vor dem Stängelaustrieb. Sie speichern die Reserven für die kommende Blüte. Die Wurzeln bereits abgeblühter Pflanzen sind dagegen faserig und verholzt.

In der Küche

Die Wurzeln gründlich waschen, putzen, in Stücke schneiden und weich garen. Sie ergänzen Gemüsesuppen und herbstliche Eintöpfe. Zum Kennenlernen genügt zunächst eine kleine Menge.

In der Hausapotheke

Nachtkerzenöl wird aus den Samen gewonnen und enthält Gamma-Linolensäure. Bestimmte Öl-Arzneimittel werden traditionell gegen Juckreiz bei trockener Haut verwendet; eine gesicherte Wirksamkeit ist klinisch nicht ausreichend belegt. Daraus lässt sich deshalb keine entsprechende Heilwirkung der Wurzel ableiten.

Sammelhinweise

Nur eindeutig bestimmte Pflanzen von unbelasteten Standorten ernten. Besonders geeignet sind selbst ausgesäte Nachtkerzen im eigenen Garten. Beim Wurzelgraben wird die ganze Pflanze entnommen: Genügend Exemplare für Blüte, Insekten und Samenbildung stehen lassen.

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Die Nachtkerzenwurzel erntet man im ersten Lebensjahr der Pflanze, bevor sie ihren Blütenstängel ausbildet.
Bild ganz oben: Die Blüten der Nachtkerze öffnet sich am Abend.

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