GSS Geschichtswerkstatt: Denkmal für Zwangsarbeiter - Präsentation 27. Januar

Scholl-Schüler laden Bürgerschaft zur Begutachtung der Denkmal-Modelle ein / Jury wählt Entwurf zur Umsetzung auf Schulgelände aus. Beitrag Bensheims zum Holocaust-Gedenktag, 27.1.2026

„Endlich können wir den ersten Schritt in die Öffentlichkeit gehen und unsere Modelle für ein Denkmal, das den Zwangsarbeitern im ehemaligen Tonwerk Heppenheim-Bensheim gewidmet wird, vorstellen“, hört man aus den Reihen der 10.-Klässler*innen, welche am gleichnamigen Projekt beteiligt sind. Melanie Wüst und Martin Zipp, die beiden federführenden Lehrkräfte, welche die Schülerschaft begleiten, freuen sich mit Realschul-Leiterin Sandra Maus über prominente Unterstützung bei der Auswahl des Siegerentwurfes.

Die beiden beteiligten Kunst- & Architektur-Lerngruppen hatten sich im ersten Halbjahr des aktuellen Schuljahres zunächst intensiv mit der unmenschlichen Lebens- und Arbeitssituation der Zwangsarbeiter im Heppenheimer Tonwerk, das auch eine Außenstelle in Bensheim betrieb, auseinandergesetzt. In einem zweiten Arbeitsschritt entwickelten sie erste Ideen, wie man diesen NS-Opfern in plastischer Ausdrucksform gedenken könnte. Hierbei überlegten sie stets, wie das damalige Schicksal dargestellt und gleichzeitig heutige Betrachtende zum Nachdenken angeregt werden könnten. 

Prominente Jurymitglieder aus Stadt und Kreis Bergstraße

Als Jurymitglieder können sich die Schüler*innen nicht nur auf Thomas Stricker, ihren eigenen Schulleiter freuen. Es haben sich ferner Magistratsmitglieder, Kreisbaudezernent Matthias Schimpf und Schulamtsdezernent Sebastian Schaab angekündigt. Ergänzt werden die vier durch zwei Projektinsider, den Zwangsarbeiternachfahren Ryan Lilienthal, welcher aus den USA anreist, sowie Bauingenieur Christoph Turetschek, der die Schüler bereits projektbegleitend beriet.

In einem dritten Arbeitsschritt fertigten die Lernenden schließlich Modelle zu ihren Entwürfen an und kamen dabei auch mit dem gewünschten zentralen Gestaltungsmaterial – Natur-Ton – in Berührung. Architektur-Lehrer Martin Zipp äußert hierzu: „In dem Moment, wenn unsere Schülerschaft aus den theoretischen Ideen plastisch-realistische Modelle anfertigt, lernen sie gleich mehrfach. Zum einen lernen sie Naturton als passenden Werkstoff kennen, der direkt auf den Werkstoff des Tonwerks Bezug nimmt. Diesen haben sie in modellhaftes Ziegelsteinformat gebracht. Dadurch, dass diese nun verbaut werden mussten, konnten sie ebenfalls erste bautechnisch-statische Erfahrungen sammeln. Hierbei wurden sie von Bauingenieur Christoph Turetschek fachkompetent beraten.“ (Wir berichteten)

Kunstlehrkraft Melanie Wüst freut sich auf rege Teilnahme bei der Modellauswahl: „Wenn sich Schüler*innen derartig lange und intensiv mit einem Kunstprojekt auseinandersetzen, ist es ein wichtiger Ausdruck von Wertschätzung, wenn die Ergebnisse auch von Gästen bestaunt werden. Neben den Jahrgangskolleg*innen unserer 10. Klassen laden wir die Bensheimer Bürgerschaft und die Parteien aus dem Stadtparlament herzlich zu uns ein.“ Das Forum der GSS wird hierzu bestuhlt sein. Die Ränge der Aula bieten weiteren umfangreichen Platz an.

Wann: 27.1. 2026
Uhrzeit: 9:00 Uhr – ca 11:30 Uhr
Ort: Forum der GSS (Aula)

Frank Maus - Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl



Pressebild: (Frank Maus – Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl)

Dezember 2025 - Ein Denkmal für Zwangsarbeiter des Tonwerks Bensheim & Heppenheim: Scholl-Schüler führen Workshop zur Einführung in die Bautechnik durch – Bauingenieur Christoph Turetschek zu Besuch im Unterricht

„Aus der Geschichte für das Leben lernen“: Die Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl macht ihrem Namen Ehre und geht wieder einmal neue pädagogische Wege. Aktuell setzen sich zwei Realschulgruppen unter der Leitung von Melanie Wüst und Martin Zipp mit Hintergründen und Lebensumständen der Zwangsarbeiter auseinander, die im Zweiten Weltkrieg unter unmenschlichen Bedingungen im Heppenheimer Tonwerk schuften mussten. Bald reifte die Idee, diesen Menschen ein Andenken in Form eines Mahnmals zu geben. Somit war die Projektidee geboren, den Kunst- und Architektur- mit Geschichtsunterricht zu verknüpfen. Die Stadt Bensheim mit ihrer Aktionsreihe „Bensheim lebt Demokratie“, der Holcaust-Opfer-Nachfahre Ryan Lilienthal, Frank Maus sowie weitere Kooperationspartner fördern die innovative, erinnerungshistorische Arbeit. Ein wichtiger Schritt war nun die `Einführung in die Bautechnik´ mit Bauingenieur Christoph Turetschek.

Die beiden Kunstlehrkräfte Melanie Wüst und Martin Zipp wissen aus jahrelanger Erfahrung nur zu gut: „Schulische Werkstattarbeit bedeutet Kreativität und Mut, Lerngegenstände mittels einer Vielzahl von Methoden und Lernprodukten erfahrbar zu machen. Diesmal wollen wir den Schülern die Möglichkeit geben, etwas wirklich Bleibendes zu entwickeln – ein plastisches Denkmal für Menschen, die wir nicht vergessen dürfen.“ Durch ihren guten Kontakt zu den beiden Leitern der Geschichtswerkstatt, Peter Ströbel und Frank Maus konnten historische Hintergründe geklärt und Dokumente nutzbar gemacht werden. Maus und Ströbel koordinieren die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Kooperationspartnern, die das Projekt unterstützen, während die beiden Kunstlehrkräfte direkt mit den Schülerinnen und Schülern arbeiten.

Workshop mit Bauingenieur

Nachdem sich die Lernenden zunächst mit den historischen Hintergründen des Tonwerks während der Nazi-Diktatur beschäftigt haben, wurden schließlich eine Vielzahl von Gestaltungsideen für ein Denkmal entwickelt. Martin Zipp lässt seine Projektgruppe, die zum einen aus Realschülern und zum anderen aus Gymnasiasten besteht, bewusst mit architektonischen Stilen operieren: „Wir werden künstlerische Ideen mit Realwerkstoffen verschmelzen und dadurch mit allen Sinnen erfahrbar machen. Um schlussendlich ein reales Denkmal nicht nur entstehen, sondern auch dauerhaft erhalten zu können, ist es jedoch nötig, das Projekt auch bautechnisch verantwortungsvoll zu begleiten.“ So wurde Bauingenieur Christoph Turetschek vom gleichnamigen Büro aus Lautertal eingeladen, welcher nach offizieller Begrüßung durch die Realschulleiterin Sandra Maus schließlich einen zweiteiligen Workshop mit den Schülern durchführte. Da es um die Opfer der Zwangsarbeit im Tonwerk geht, führte er die Lernenden zunächst in die bautechnischen und statischen Grundlagen der Konstruktion mit Ziegelwerkstoffen ein. Hiernach stand ein Praxisteil auf dem Programm bei dem unter Anleitung von Turetschek mittels originaler Backsteine aus dem Tonwerk verschiedene Konstruktionsformen ausgetestet wurden.

Turetschek band die Schüler von Beginn an aktiv in seine Ausführungen ein und verdeutlichte seine Erläuterungen mit einer Vielzahl von Modellen und Grafiken. Eine seiner zentralen Botschaften war hierbei: „Wenn ein Körper in Ruhe ist, sind alle Kräfte im Gleichgewicht! Dies ist der Schlüssel der Statik. Die heutigen Informationen sollen helfen, Eure Entwürfe zu überprüfen und ein ordentliches, stabiles und dauerhaftes Mauerwerk für das Denkmal herzustellen.“

Ergebnispräsentation am Holocaust-Gedenktag, 27. Januar 2026

Melanie Wüst gab zum Ende des Workshops Einblicke in die weitere pädagogische Arbeit: „In den nächsten Wochen werden die Schüler ihre Denkmalentwürfe überarbeiten und Modelle mit Miniaturziegelsteinen erstellen. Wir freuen uns schon sehr auf die öffentliche Präsentation der Modelle am 27.1.2026. Zum Holocaust-Gedenktag würdigen wir die Opfer der NS-Zwangsarbeiter im Tonwerk durch die Vorstellung unserer Arbeitsergebnisse. Eine Jury wird aus der Vielzahl der Entwurfsmodelle eines auswählen, das schließlich im Frühjahr nächsten Jahres auf dem Gelände der GSS gebaut wird. Teil der Jury wird neben Schuleiter Thomas Stricker Bürgermeisterin Christine Klein, Ryan Lilienthal aus den USA, dessen Vorfahren im Tonwerk Zwangsarbeit verrichten mussten, sowie Bauingenieur Christoph Turetschek sein.“

Frank Maus, Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl

Schüler*innen der Geschichtswerkstatt führen Konstruktionsversuche mit historischen Ziegelsteinen aus dem Tonwerk durch. Photos: Frank Maus (Geschichtswerkstatt)







 

 

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