Das Reichenbacher Gold – eine Quarzader mit Charakter, und der jüngste Steinmetzmeister Deutschlands

Firma Dude & Co. OHG : drei Generationen der Inhaberfamilie Reinig im Elmshäuser Traditionswerk

Es geht auch ohne Importe aus China oder Indien: mit Reichenbacher Quarz bietet Familie Reinig ein Produkt aus der Region für die Region im Sinne der Nachhaltigkeit. Drei junge Steinmetzmeister im Lautertal zeigen, daß das geht. Pascal Reinig ist der Jüngste, er absolvierte mit 19 Jahren seine Meisterprüfung. Um die Verwurzelung in der Region zu zeigen, gestaltete Mutter Carmen Reinig ihre Außendarstellung in der Heftanzeige (siehe Heft Oktober 2026 Seite 9) mit den Deutschlandfarben.

Farbenprächtig und abwechslungsreich gemasert sehen die Steine aus, die aus dem Reichenbacher Quarzgang gewonnen werden, besonders wenn sie gesägt und anschließend poliert oder satiniert werden. In warmen Rot-, Gelb- und Brauntönen erscheint der Quarz dieser Ader, die sich vor Urzeiten quer durch Reichenbach zog und heute noch am Borstein oberhalb Reichenbach und am Katzenstein bei Raidelbach zutage tritt. Seitdem sich die Lauter durch das Tal geschnitten hat, ist die Verbindung der beiden Felsformationen abgetragen, und mitten drin wurde die Reichenbacher Kirche gebaut.

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Ein Modell aus Reichenbacher Quarz mit wunderschön glitzernder Quarzdruse

Lesen Sie dazu bitte: Das Reichenbacher Gold!

Der einheimischen Natursteinindustrie, die sich im Odenwald seit 1879 etablierte, brachte das Reichenbacher Gold tatsächlich Wohlstand, denn die Rohblöcke aus den Steinbrüchen am Borstein, am Katzenstein und oberhalb des Hofgutes Hohenstein waren begehrt. Vor der Entdeckung dieser Ader lebten die Steinmetze von der Bearbeitung von Findlingen, die örtliche Landwirte auf ihren Äckern fanden. So auch der Senior Willi Reinig in Knoden, er begann mit seiner Steinmetzwerkstatt in den 1970er Jahren. Da man jedoch gerne einen eigenen Steinbruch gehabt hätte, ergriffen die Eltern Willi und Romana mit Sohn Willi Reinig jun. die Gelegenheit und erwarben den Steinbruch am Borstein sowie das Gelände an der Nibelungenstraße zwischen Elmshausen und Reichenbach von Firma Dude OHG. So konnten sie erstmals Reichenbacher Quarz aus eigenem Steinbruch gewinnen und anbieten.

Der Steinbruch am Borstein mit Blick auf Reichenbach, im Hintergrund das Hofgut Hohenstein, in dessen Nähe das andere Ende der Quarzader "Reichenbacher Gold" liegt.

Steinmetz Ludwig Dude, langjährigen Betriebsleiter und Geschäftsführer der Fa. Karl Hergenhahn (nachmalig Deutsche Steinindustrie AG, hatte das Unternehmen 1908 als einer der ersten im Odenwald gegründet, in der ehemaligen Klingenmühle. Diese war 1820 errichtet worden von Johannes Jost als Getreidemühle. 1918 wurde sie stillgelegt und ein Jahr später von Ludwig Dude erworben, der 1923 auf dem Gelände seine Schleifwerkstatt einrichtete (Heinz Reitz, Mühlen wiederentdeckt, Sonderband der Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße 1997). Ludwig Dude und einige weitere Betriebe verhalfen dem Odenwald-Quarz in seiner bunten Erscheinungsform zu großer Bekanntheit, jedoch begann man in den 1990er Jahren über den Verkauf des Unternehmens nachzudenken.

Lesen Sie dazu bitte auch auf Odenwald-Redaktion.de alle Seiten mit Suchbegriff "Steinbearbeitung" oder die Kapitel zur Steinbearbeitung in meinem Jahrbuch No. 2: "Das Felsenmeer"
Hier finden Sie zahlreiche Beiträge zu den früheren Steinmetzbetrieben und ihrer Geschichte, angefangen mit den römischen Aktivitäten im Felsenmeer vor 2000 Jahren!

100 Jahre nach dem Beginn der Odenwälder Natursteinindustrie durch Steinmetze aus dem Fichtelgebirge ging die Gewinnung einheimischer Rohblöcke stark zurück, und heute gibt es nur noch wenige Betriebe in der Region. Nachdem die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg überstanden war, kam die Beliebtheit des Reichenbacher Goldes zurück. Heute gibt es noch drei Betriebe, die einheimischen Quarz abbauen: Grabmale Schneider GmbH, L. Dude & Co. OHG und Firma Thaler in Zwingenberg mit eigenem Steinbruch am Borstein. Die Branche hat einerseits mit Billigkonkurrenz aus Fernost und andererseits mit einer sich wandelnden Begräbniskultur mit Tendenz zu kleinen Urnengräbern, Urnenwänden oder Friedwaldbestattung zu kämpfen.
1996 konnten Willi Reinig sen. Mit Ehefrau Romana und Sohn Willi Reinig jun. einsteigen, um eigenen Odenwälder Quarz zu gewinnen und zu bearbeiten. Zunächst kamen auch Produkte aus China und Indien aufs Gelände, Reinigs spürten jedoch bald daß einheimischer Quarz viele Vorteile hat.

Der Quarz ist ein eigenes regionales Produkt, das kurze Transportwege vom Steinbruch am Borstein bis zur Verarbeitungshalle braucht. Reinigs können die im Bruch gewonnenen Steine selbst fahren und selbst zu herrlichen Objekten mit naturbelassener oder auch polierter oder satinierter Oberfläche verarbeiten. Mit speziellen Diamantwerkzeugen werden die Blöcke zu Grabsteinen und Grabeinfassungen, die von Familie Reinig selbst zum größten Teil im süddeutschen Raum ausgeliefert werden. Das restliche Bundesgebiet beliefert eine Spedition.
Zu Beginn wurden 11 Mitarbeiter übernommen, die nach und nach durch Ruhestand oder Weggang zu einer kleineren Belegschaft wurden: drei feste Mitarbeiter und drei Aushilfskräfte, unterstützt durch Carmen Reinig und eine Büroaushilfe, sorgen dafür daß der Odenwald-Quarz zum Kunden kommt.

Einer der festen Mitarbeiter ist Sohn Pascal. Mit nur 19 Jahren absolvierte er die Meisterprüfung, einer der jüngsten seiner Zunft in ganz Deutschland. Für ihn war schon immer klar, daß er Steinmetz werden wollte. Da auch in der Natursteinbranche Fachkräftemangel herrscht, konnte Pascal ohne Gesellenjahre direkt nach seiner Lehre, die er 2023 abschloss mit der Meisterschule in Kaiserslautern beginnen.

Pascal Reinig mit seinem Meisterstück, gefertigt aus schwedischem Halmstad-Migmatit

Drei Generationen Reinig: Pascals Großvater übernimmt noch immer im Alter von 86 Jahren Aufgaben im Betrieb, zum Beispiel das Schneiden von Rohblöcken.. „Mein Vater ist ein guter Lehrmeister, und ich habe im Betrieb schon vor der Ausbildung viel Erfahrung sammeln können,“ so Pascal Reinig.

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Willi Reinig jun., Carmen Reinig und Pascal Reinig

Als im Frühjahr 2024 der Natursteinschleifer Markus Koob jung und überraschend verstarb, war Pascal in der Meisterschule. Obwohl man früher sagte, eine Ausbildung muß man in der Fremde machen, um andere Gebräuche kennenzulernen, war das – gerade auch zur Covid-19-Pandemie – ein Glücksfall für die Familie, daß Pascal im heimischen Betrieb lernte, er war der erste Auszubildende von Willi Reinig jun.

Pascal im Steinbruch

Pascal Reinig ist einer der drei „frischgebackenen“ Steinmetzmeister im Lautertal, dazu gehören noch Felix Eichhorn und Andreas Marquardt. Die einheimische Branche wird also weiter existieren. Pascal Reinig würde sich über Interesse bei jungen Menschen, die in ein Praktikum reinschnuppern und sich dann vielleicht sogar eine Ausbildung im Steinmetzhandwerk vorstellen können freuen. Bei Familie Reinig wird hauptsächlich für Steinmetzbetriebe in ganz Deutschland produziert, aus heimischem Quarz sowie aus skandinavischen Steinsorten und versteinertem Holz. Pascal absolvierte kürzlich seinen Sprengschein, dazu muß man 21 Jahre alt sein. Bei der Firma Dude wird nur im Sommer gesprengt, aber während der Ausbildung konnte er bei Firma Röhrig in Sonderbach auch bei Großsprengungen Erfahrung sammeln.
Er wird die Firma L. Dude & Co. OHG seiner Eltern und Großeltern auf jeden Fall weiterführen, und der Reichenbacher Quarz wird ihm voraussichtlich für ein ganzes Arbeitsleben nicht ausgehen.

Marieta Hiller, im Oktober 2026

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