Pflanzenporträt: Die Große Brennnessel (Urtica dioica)

Die Große Brennnessel (Urtica dioica) – Wehrhafte Begleiterin mit überraschenden Seiten

Wer im September an Wegrändern, Waldrändern oder auf nährstoffreichen Brachen unterwegs ist, begegnet fast überall der Großen Brennnessel. Beliebt ist sie selten: Schon eine kurze Berührung kann durch ihre Brennhaare brennende, juckende Quaddeln hinterlassen. Dabei ist sie Wildgemüse, traditionelle Heilpflanze, alte Faserpflanze und wichtige Nahrung für Schmetterlingsraupen. Im Spätsommer reifen an den weiblichen Pflanzen außerdem die kleinen schmackhaften Früchte heran.

Namensherkunft und alte Nutzung

Der botanische Gattungsname Urtica geht auf das lateinische Wort urere für "brennen" zurück. Der Artname dioica bedeutet "zweihäusig": Männliche und weibliche Blüten wachsen meist auf verschiedenen Pflanzen. Aus den festen Bastfasern wurden früher Garne, Gewebe, Seile und Netze hergestellt. Vor der allgemeinen Verbreitung der Baumwolle war die Brennnessel daher eine wichtige heimische Faserpflanze.

So erkennst du die Große Brennnessel sicher:

  • Blätter: Gegenständig, länglich bis eiförmig, am Grund herzförmig, lang zugespitzt und grob gesägt.

  • Stängel: Aufrecht, meist unverzweigt und mit Brennhaaren besetzt; häufig 50 bis 150 cm hoch.

  • Blüten und Früchte: Unscheinbar und grünlich; die weiblichen Fruchtstände hängen später deutlich herab.

  • Wuchs: Mehrjährig; durch unterirdische Ausläufer oft in dichten Beständen.

  • Standort: Nährstoffreiche, frische bis feuchte Böden an Wegrändern, Gebüschen, Ufern und auf Brachen.

Die „Brennnesselsamen“ im September

Im Spätsommer hängen die weiblichen Fruchtstände in dichten Büscheln herab. Umgangssprachlich werden die kleinen Körnchen als Brennnesselsamen bezeichnet; botanisch sind es einsamige Nussfrüchte. Reife, grüne bis bräunliche Fruchtstände werden mit Handschuhen abgeschnitten, luftig getrocknet und anschließend über einer Schüssel oder einem Tuch abgestreift.

In der Küche:

Brennnessel05

Junge Brennnesselblätter lassen sich ähnlich wie Spinat für Suppen, Gemüse oder Pesto verwenden. Im September eignet sich vor allem der frische Austrieb nach einer Mahd. Blanchieren, Kochen oder gründliches Mixen macht die Brennhaare unschädlich. Die getrockneten Früchte schmecken mild-nussig und passen zu Müsli, Salaten, Suppen oder Brotteig. Viele beworbene Gesundheitswirkungen dieses "Superfoods" sind allerdings nicht ausreichend wissenschaftlich belegt.

In der Hausapotheke:

Bei der Brennnessel muss zwischen Kraut, Blättern, Wurzeln und Früchten unterschieden werden. Die Europäische Arzneimittelagentur führt traditionelle Anwendungen des Krauts unter anderem bei leichten Harnwegsbeschwerden, Gelenkschmerzen und seborrhoischen Hautbeschwerden auf. Eine Durchspülungstherapie erfordert ausreichend Flüssigkeit und ist ungeeignet, wenn die Trinkmenge begrenzt werden muss. Traditionelles Wildpflanzenwissen ersetzt keine medizinische Beratung.

Wertvoll für Schmetterlinge

Die Brennnessel ist Raupenfutterpflanze für Tagpfauenauge, Kleinen Fuchs, Admiral und Landkärtchen. Ein kleiner Bestand im Garten schafft daher wertvollen Lebensraum. Sind bereits Raupen oder Gespinste vorhanden, sollte dort nicht geerntet werden.

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Sammelhinweise (kurz & wichtig):

Feste Handschuhe und lange Ärmel schützen bei der Ernte. Gesammelt wird nur an unbelasteten Standorten, nicht an stark befahrenen Straßen, Hundewegen oder intensiv bewirtschafteten Feldern. Die Fruchtstände sollten trocken und frei von Tieren sein.

Nachdem hier bisher Wildkräuter im Mittelpunkt standen, beginnt nun die spannende Pilzsaison. Als geprüfte Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) habe ich bei folgenden Terminen noch freie Plätze:

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Bildunterschriften:

  1. An den weiblichen Brennnesselpflanzen entwickeln sich herabhängende Fruchtstände.
  2. Geerntet werden die oberen, jungen Triebspitzen – feste Handschuhe schützen dabei vor den Brennhaaren.
  3. Vor der Blüte sind die jungen Triebe besonders zart und eignen sich am besten für die Küche.

Christa Jöckel Tel.: +49 (0)177 6518000 natur-rockt.de

 

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