Smartphones sind heute allgegenwärtig, ohne geht es fast gar nicht mehr. Laut Statistischem Bundesamt waren 2025 circa 77 Millionen der Geräte in Deutschland vorhanden. Doch die Lebensdauer der Geräte ist relativ kurz, optimistische Schätzungen gehen von 2,5 Jahren aus, andere nur von 1,5 Jahren. Das sorgt für jede Menge Elektroschrott.
Muss das sein? Eigentlich nicht. Schauen wir mal warum ein Smartphone getauscht wird.
- Da ist einmal der "modische Aspekt", für manche Leute ist das neueste Modell ein Imageträger oder Statussymbol.
- Zum zweiten ist es die Leistungsfähigkeit, bzw. diese wird von der Industrie als Verkaufsstrategie genutzt. Neue Funktionen in der Software bzw. Betriebssystem des Phones (Android oder IOS) erfordern mehr CPU-Leistung. Wird dann der Support für ältere Versionen eingestellt, ist man gezwungen neue Hardware zu kaufen, da die neuen Softwareversionen auf den vorhandenen Geräten nicht mehr laufen. Oft würde das durchaus funktionieren, doch ist das von den Herstellern nicht gewollt. Wenn das Gerät etwas langsamer reagiert, würde das das "Benutzererlebnis" verschlechtern.
- Und der dritte wichtige Grund für Neukauf ist die Reparierbarkeit der Produkte. Reparatur ist zu teuer und deshalb unwirtschaftlich, es sind keine Ersatzteile verfügbar oder Reparaturen nur durch ausgewählte Servicestellen möglich. Letzteres führt wieder zur Preisfrage.
Die EU versucht nun gegenzusteuern und hat das "Recht auf Reparatur" gesetzlich verankert. Die Hersteller haben viele Millionen Euro für Lobbyarbeit ausgegeben um das Gesetz zu verhindern, zum Glück erfolglos. Jetzt müssen die Hersteller und Importeure Ersatzteil vorhalten, etc. Dadurch hat sich schon einiges verbessert, trotzdem wird noch oft die Reparatur erschwert oder künstlich verteuert.
w Einen Anhaltspunkt für die Servicefreundlichkeit bietet der Index von Ifixit: https://de.ifixit.com/reparierbarkeit
Es geht auch anders: Von Shift (SHIFTphone) und Fairphone gibt es Geräte die man einfach selbst reparieren kann. Die Geräte sind modular aufgebaut, somit lassen sich die anfälligen Teile einfach tauschen. Zum Beispiel der USB-Port (Ladebuchse) ist ein Teil das durch An- und Abstecken mechanisch beansprucht wird und deshalb oft kaputtgeht. Normalerweise ist die filigrane Buchse auf der Hauptplatine eingelötet und lässt sich nur mit passender Lötstation und etwas Erfahrung tauschen oder man soll gleich die ganze Hauptplatine für viel Geld kaufen. Bei Fairphone und Shift ist diese Buchse auf einer kleinen Platine untergebracht, diese kann von jedem getauscht werden. Z.B. das SHIFTphone 8 zählt 18 austauschbare Module. Das SHIFTphone wird von der Shift Gmbh in Falkenberg (Oberhessen) entwickelt und vertrieben. Laut Angaben von Shift werden die Geräte in einer eigenen Fabrik in China produziert. Das Besondere am Shiftphone ist das Pfand in Höhe von 22 Euro. Dies ist im Kaufpreis enthalten und man bekommt es zurück wenn man das Gerät an Shift zurückgibt. Egal ob es noch funktioniert oder ein "Traktor drüber gefahren ist". Damit will man verhindern, dass Altgeräte unsachgemäß entsorgt werden. Funktionierende Geräte werden teilweise aufgearbeitet und als Second-Hand Produkt wieder verkauft. Durch die modulare Bauweise lassen sich auch Teile einzeln verwerten. Die Shift GmbH wurde beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2025 mit zwei Auszeichnungen bedacht. https://www.shift.eco/
Das Fairphone wird von der der Fairphone B.V. in den Niederlanden auf den Markt gebracht. Auch die Fairphones sind modular aufgebaut und lassen sich somit selbst reparieren. Anleitung dazu und die Ersatzteile gibt es vom Hersteller. Die Fairphones können auch mit einem sogenannten Custom-ROM betrieben werden, das wird aktiv unterstützt. Ein Custom-ROM ist quasi ein alternatives Betriebssystem, damit kann man die Bindung an Google durch Android loswerden. Auch lassen sich damit ältere Geräte, die von Google unter Android nicht mehr unterstützt werden, noch weiterbetreiben. Um diese Möglichkeit zu nutzen sollte man aber technik-affin sein oder jemanden kennen, der es ist. Das ist auch bei den Geräten von Shift so. https://www.fairphone.com/de/
Neben der Reparierbarkeit legen beide Unternehmen großen Wert auf faire Bedingungen bei der Herstellung, den Lieferketten und der Rohstoffgewinnung. Auch wenn einige Geräte noch nicht aus hundertprozentig fairen Rohstoffen hergestellt werden, wird versucht möglichst viel umzusetzen sowie der Industrie und Gesellschaft Denkanstöße zu geben. Beide kümmern sich auch nach dem Lebensende der Produkte um eine ordnungsgemäße, ökologische und soziale Verwertung. Sie haben eigene Systeme zum Recycling der eigenen Produkte und beteiligen sich am Projekt "Closing the Loop" um Elektroschrott in Afrika zu sammeln und wieder in den Kreislauf einzubringen. Sonst landet viel Elektronik auf wilden Müllkippen in Afrika und wird dort mit einfachsten Mitteln bearbeitet, um an einen Teil der Rohstoffen zu kommen. Die Ausbeute dabei ist gering, die gesundheitlichen Schäden jedoch enorm.
Fazit: Mit den Geräten von Shift aus Hessen und Fairphone aus den Niederlanden gibt es Produkte, die soziale und ökologische Aspekte soweit wie möglich berücksichtigen. Die Geräte sind technisch auf der Höhe der Zeit und qualitativ gut und langlebig. Shift verspricht Updates mit Sicherheitspatches bis ins Jahr 2036 für das jetzt (2026) verkaufte Smartphone. Natürlich geht das nicht zum Discounterpreis, aber auch nicht teurer als ein iPhone. Das aktuelle SHIFTphone kostet zur Zeit 695€ (zzgl. 22€ Pfand), das Fairphone Gen. 6 ist für 549€ zu bekommen. Das iPhone 17 wird bei Apple für 699€ das Pro gar für ca. 1200€ angeboten. Für 600 bis ca. 700€ bekommen sie bei Shift oder Fairphone ein gutes Produkt für eine lange Nutzungsdauer, auf diese Zeit hochgerechnet ist das eine preiswerte Alternative.
Thomas Glaser
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