Modautal wehrt sich: Bürgerinitiative stemmt sich gegen geplanten Steinbruch
Mit einer gut besuchten Hybird-Informationsveranstaltung am 27.02.2026 in Klein-Bieberau haben sich Bürgerinnen und Bürger deutlich gegen die Ausweisung Steinbruchgebietes zwischen Webern, Brandau und Lützelbach positioniert. Rund 20 Engagierte aus Modautal haben sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, um Natur, Trinkwasser und Wohnqualität in ihrer Heimat zu schützen.
Auslöser des Protests ist der Entwurf des Regionalplans Südhessen 2025, in dem rund 60 Hektar Wald zwischen Webern, Brandau und Lützelbach als „Vorbehaltsgebiet für oberflächennahe Lagerstätten“ ausgewiesen sind – faktisch eine Vorbereitung auf einen möglichen Granitabbau. Hinzu kommt, dass Webern im Regionalplan weder als Siedlungsbestand noch als Ort benannt ist, obwohl dort auf 8,7 Hektar dauerhaft Menschen leben und auch ein Bebauungsplan existiert.
In der Präsentation wurde deutlich, dass Webern bereits im Regionalplan 2010 nicht als Siedlungsgebiet geführt wurde und dieser Fehler auch im neuen Entwurf nicht korrigiert worden ist. Die Bürgerinitiative spricht von einer Ungleichbehandlung gegenüber anderen Ortsteilen und warnt davor, dass fehlende Abstandsregelungen bei späteren Planungen zu Lasten der Einwohnerinnen und Einwohner ausfallen könnten. Gleichzeitig treffe im betroffenen Waldgebiet eine außergewöhnlich hohe Dichte von Schutzfunktionen auf die geplante Rohstoffsicherung – eine Konstellation, die von den Aktiven als „einzigartig und nicht zielführend“ bezeichnet wird.
Das geplante Steinbruchgebiet liegt vollständig im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet „Buchenwälder des vorderen Odenwaldes“, einem europäischen Natura-2000-Schutzgebiet, das zusätzlich dem Bundesnaturschutzgesetz unterliegt. In dem weitgehend naturnahen und forstlich kaum genutzten Buchenwald wurde eine sehr hohe Anzahl an sehr alten Buchen, sowie eine hohe Dichte an Habitatbäumen kartiert, welche als Biodiversitätshotspots gelten und für über 1.000 Tierarten in Deutschland einen Lebensraum bieten. Nach Recherchen der Initiative kommen im Gebiet streng oder besonders geschützte Arten wie Springfrosch, Zauneidechse, mehrere Fledermausarten – darunter Bechsteinfledermaus und Mopsfledermaus – sowie Großvögel wie Schwarzspecht, Uhu und Rotmilan vor, auch seltene Insekten, wie der Feuerfalter oder die Spanische Flagge konnten nachgewiesen werden. Ein Steinbruch würde diese Lebensräume nach Einschätzung der Initiative irreversibel zerstören und stünde im Widerspruch zu europäischen Arten- und Naturschutzzielen.
Besonders brisant ist aus Sicht der Bürgerinitiative, dass das Waldgebiet in einer Trinkwasserschutzzone liegt und zur Grundwasserneubildung für Modautal beiträgt. Der Wald reguliert einen Teil des lokalen Wasserhaushaltes filtert das Wasser und trägt so zur Grundwasserneubildung bei. Rodungen und Eingriffe am steilen Hang des Waldgebietes – rund 200 Höhenmeter auf 700 Meter Länge – könnten Erosion, Hangrutschungen, Schlammlawinen sowie Sedimenteinträge in die Gewässer verstärken und damit auch Überschwemmungsrisiken erhöhen. Gleichzeitig würde der Verlust des Waldes das lokale Mikroklima verändern: Sommerliche Temperaturen könnten im Vergleich zu bewaldeten Flächen um bis zu 10 Grad steigen, die Luftfeuchtigkeit sinken und der Wald als „Klimapuffer“ für die umliegenden Ortschaften verloren gehen.
Neben Natur- und Wasserschutz nennt die Initiative auch Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung. Lärm durch Sprengungen, Maschinen und Schwerlastverkehr sowie Erschütterungen könnten Schlaf, Konzentration und Wohlbefinden beeinträchtigen; in anderen Steinbruchgebieten werden laut Recherchen Richtwerte für Lärm und Erschütterung regelmäßig überschritten. Hinzu kommen Feinstaub, Dieselruß und mineralische Stäube, die als gesundheitsgefährdend und teils krebserregend gelten, sowie mögliche Schäden an der Vegetation durch Staubablagerungen. Studien, auf die sich die Initiative bezieht, zeigen außerdem, dass Immobilien im Umkreis von Steinbrüchen Wertverluste von bis zu 20 Prozent erleiden können, dies nicht zuletzt auch durch Schäden an den Gebäuden durch Erschütterungen.
Aus dieser Arbeit der Bürgerinitiative sind 16 detaillierte Stellungnahmen entstanden, die fristgerecht beim Regierungspräsidium Darmstadt eingereicht wurden, begleitet von Unterschriftenlisten aus der Bevölkerung. Unterstützung kommt auch von offizieller Seite: Sowohl die Gemeinde Modautal als auch der Landkreis Darmstadt-Dieburg fordern in ihren Stellungnahmen, Webern im Regionalplan als Siedlungsgebiet zu verankern und das Vorbehaltsgebiet für oberflächennahe Lagerstätten zu streichen.
Die Offenlage des Regionalplan-Entwurfs lief vom 29. September bis 28. November 2025, Stellungnahmen konnten bis zum 15. Dezember eingereicht werden. Insgesamt sind nach Angaben der Initiative rund 1.400 Stellungnahmen gegen den Regionalplan Südhessen beim Regierungspräsidium eingegangen und müssen nun bearbeitet werden. Die Regionalversammlung Südhessen will im Frühjahr 2026 über das weitere Verfahren beraten; mit einer Verabschiedung des neuen Regionalplans wird frühestens 2028 gerechnet. Parallel prüft die Gemeinde eine Teilnahme am Bundesprogramm „KlimaWildnis“, mit dem Waldflächen dauerhaft aus der Nutzung genommen und ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden könnten – auch dies sehen die Aktiven als Chance, den Wald zwischen Webern, Brandau und Lützelbach langfristig zu sichern.
Wer sich gerne noch weiterhin zum Thema informieren möchte, kann dieses unter https://lebensraum-modautal.de/ tun.
Susanne Siebeneicher
27.2.2026 Infoabend zur Steinbruchplanung
